Dianas Bogen

12. Januar 2008 - Samstag

Die Mondsichel war an den Abendhimmel zurückgekehrt. Um 17:45 MEZ war der Himmel noch nicht richtig dunkel, da war ich schon mit dem Fernglas und Stativ im Garten und visierte sie an. Damit ging ich auf Endeckungsreise in Dianas Bogen, wie der 4 Tage alte Mond auch genannt wird. Im Fernglas lugte er hell durch ein rundes Fenster im Geäst des Apfelbaums. Ein heller Stern, lambda Aquarii, stand unterhalb des Mondes und war auch leicht freisichtg in der Abenddämmerung zu sehen. Und kurz nach Beginn meiner Beobachtung steuerte ein Flugzeug haarscharf am Mondnordpol vorbei, mit vielleicht nur 2 oder 3 Bogenminuten Abstand.

Auf der aschgrauen Seite des Mondes waren die Maria als großflächige Strukturen sichtbar. Besonders auffällig waren dabei das Mare Humorum, der lavaüberflutete Krater Grimaldi und das schmale dunkle Band des Mare Frigoris, welches in die helle Mondsichel überging. Die Südspitze des Sichelhorns bildete eine Formation, die an eine Bergspitze erinnerte; deutlich erhob sie sich vom Mondrand. Jenseits der Sichel saßen am dunklen Rand zwei helle Lichtpunkte. Und während ich so über die "Landspitze" wanderte, konnte ich mir auch vorstellen, wie sich dieses Bild in die Mondlandschaft einfügt. Während der an der Sichelspitze aufsitzende Berg den östlichen Wall eines Kraters bildet, stellte der nächstgelegene Lichtpunkt den westlichen Kraterwall dar. Und letzter musste mit der zweiten Lichtperle einen weiteren Krater formen. Die Krater sah ich zwar nicht, ich konnte es mir aber richtig räumlich vorstellen, wie sich das Sichtbare zusammenfügt. Wie ich später bei der Nachrecherche feststellen konnte, handelte es sich bei dem Berg an der Sichelspitze sehr wahrscheinlich um die Erhöhung zwischen Scott und Malapert, die als Leibnitz Beta bezeichnet wird. Sie dürfte weniger als 200 Kilometer vom Südpol entfernt sein und gehört außerdem zum Rand des gigantischen South Pole Aitken-Beckens.

An der nördlichen Sichelspitze stand ein wenig auffälliger Glanzpunkt, entlang des Terminators sah ich etwa in der Mitte einen auffälligeren, wo der Terminator auch eine rechteckige Kerbe in die beleuchtete Seite schnitt. Immer mehr prominente Formationen entdeckte ich und deshalb musste bald Bleistift und Papier her. Und so arbeitete ich eine halbe Stunde an einer Skizze zwecks späterer Identifizierung. Im nördlichen Teil der Mondsichel lagen Hercules und Atlas. Der Terminator verlief genau an Hercules' Westwall, während die zur Sonne gewandten Terrassen in ein weißes Morgenlicht getaucht wurden. Weiter südlich fiel mir nahe des Mare Crisium der Krater Macrobius auf, und natürlich Proclus mit seinem asymmetrischen Strahlensytem. Südlich des Mare Crisium war das kleine und längliche Mare Undarum mit dem angerenzenden lavaüberfluteten Krater Firmicus sichtbar.

Der Terminator halbierte das Mare Nectaris, an dessen Ostrand zogen sich die letzten Schatten entlang der Berge der Pyrenäenkette. In Richtung Rand fiel hier der helle Langrenus auf, von dem sich ein schmales graues Band erstreckt. Eine letzte auffällige Gruppe war Janssen mit den umgebenen Kratern.

Mein erster blinkender Satellit

Nach ziemlich einer Stunde der Mondbeobachtung am Fernglas bemerkte ich nun den Sternenhimmel, der jetzt über mir funkelte. Der rötliche Mars strahlte durch die Blutpflaume hindurch und über allem thronte immer noch Holmes. Schwach war er sichtbar, aber immerhin besser als in der Nacht zuvor. Und als ich meinen Blick schweifen ließ, fiel mir im Gebiet der Sternbilder Dreieck und Widder ein ziehender Lichtpunkt auf, der plötzlich ausging, um ein paar Sekunden später wieder aufzuleuchten. Eine Dunkelphase bestimmte ich zu etwa 2°. Was konnte das sein? Mit dem Kopf im Nacken verfolgte ich es über den halben Himmel. Es zog am Himmels-W der Kassiopeia vorbei, im Grenzgebiet von Drache und Kleiner Bär verlor ich schließlich den blinkenden Satelliten. Ich dachte gleich an einen taumelnden Iridium. Doch ein prüfender Blick auf Calsky könnte dies bestätigen. Stattdessen handelte es sich um eine rotierende Raketenstufe des russischen Forschungssatelliten SICH-1M, der am Heilig Abend 2004 von Baikonur gestartet wurde.

Mond, Mira und die Grenzgröße

Gegen 20:00 MEZ war ich nochmals draußen. Zuerst schaute ich nochmal auf dem Mond vorbei. Etwa dort, wo der südliche Rand des Mare Nectaris in die dunkle Seite überging, war zuvor ein schwacher Lichtpunkt in der Nacht erschienen, doch jetzt war hier eine parallel zum Terminator verlaufender Linie, etwa eine Bogenminute lang. Vermutlich handelte es sich dabei um die Bergrücken zwischen Catharina und Cyrillus.

Über mir breitete sich ein wunderbarer Sternenhimmel aus. Ich saß im Gartenstuhl, die Lehne zurückgeklappt, ließ einfach meinen Blick schweifen und suchte nach dem schwächsten Stern. Die Grenzgröße lag erneut über 6,0mag, dass SQM hatte ich aber nicht dabei. Südwestlich des Walfischkopfes erkannte ich den Riesenstern Mira, dessen Helligkeit ich anhand der umliegenden Sterne gamma und delta Ceti und alpha Piscium auf ca. 4,0mag schätzte.

Nach einer Dreiviertelstunde bin ich dann erstmal zum verspäteten Abendessen reingegangen. Als ich später wieder rausgehen wollte, hatte es sich wie an den Abenden zuvor zugezogen. Dabei wollte ich noch einen nur ein Kilometer entfernten Platz vor dem Dorf testen.