Sonne mit kleinem Instrumentarium

06./07. April 2006 - Donnerstag/Freitag

Zwar hat es mit 73P/Schwachmann-Wassmann letzte Nacht nicht geklappt, dennoch habe ich mir - trotz wechselhaften Aprilwetters - um 14:45 MESZ Stativ und das 10x50 geschnappt und bin für ein bisschen Sonnengucken auf die Terrasse gegangen. Schon toll, wie sich die Sonnenflecken von 10865 und 10866 nach der schwarzen Sonne vom 29. März noch entwickelt haben. Während der in Deutschland partiellen Sonnenfinsternis standen sie noch nahe des Ostrandes. Zum Abschied schoss heute morgen um 7:22 MESZ immerhin ein M1,4-Flare aus der aktiven Region 10865.

Mittlerweile befinden sich vier benannte Gruppen auf der westlichen Hemisphäre der sichtbaren Sternenscheibe und eine weitere baut sich gerade auf der gegenüberliegen Hälfte auf. Die aktiven Regionen 10865, 10866, 10867 und 10868 hat Andreas Murner vorgestern eindrucksvolls festgehalten: "Sonnendetails (04.04.2006)". Um sich meine Beobachtungsbeschreibung besser vorstellen zu können, möchte ich noch auf eine Teilsonne in H-alpha verweisen, an die Mario Weigand am selben Tag arbeitete.

Trotz der noch riesigen Ausmaße ließ sich 10865 nicht mit bloßem Auge ausfindig machen. Also ran ans Glas. Im 10x50 Meade zog die Sonne zwischen dünnen Zweigen ihre Bahn und der große Fleck war nicht zu übersehen. Mit mehr als 38.200 Kilometern Länge hat er ungefähr das Dreifache des Erddurchmessers. 10867 erschien als feiner Punkt und 10866 war wieder etwas flächiger. Auf den aktuellsten SOHO-Aufnahmen von heute Vormittag besitzt ersterer die Größe der Erde - dieser kleine Nadelstich wohlgemerkt. In dieser Konstellation bildeten die Flecken ein rechtwickliges Dreieck. Die erst Anfang dieser Woche erschienene Gruppe 10868 blieb für mich unsichtbar.

Es war keine weltbewegende Beobachtung, aber die 10 Minuten wollte ich nicht unerwähnt lassen. Vorhin wollte ich noch einen Blick auf die Sonnenfinsternis-Flecken erhaschen, doch vor einer Stunde wurden die Wolken dann doch dichter, so dass ich jetzt mal die Sachen reinräumen werde.

Ein Tag später

Gestern habe ich zur Mittagsstunde nochmal zwei, drei Blicke zur Sonne geworfen. Allerdings nicht mit dem Fernglas, sondern im 8x50-Sucher vom Dobson und bei 111-fach im 8-Zöller selber. Am Vormittag war es eigentlich weiträumig wolkenlos, aber als Petrus meinen Dobson auf der Terrasse stehen sah, hatte er es sich sofort anders überlegt. Als das Seeing bei der verwendeten Vergrößerung immer matschiger wurde und sich die Wolkenlücken immer weiter zurückzogen, habe ich alles eine Stunde später wieder nach drinnen verfrachtet.

Im Sucher wiesen schon alle Gruppen eine Doppelnatur auf. Der neue Nachbar nördlich an den großen Fleck 10865 grenzend, war als kleine Schattierung zu sehen. Am Abend vorher ereignete sich in der aktiven Region um 22:33 MESZ noch ein weiterer M-Flare. Das große Fleckengebiet wurde von einer weißen langen Fackelregion gefolgt. Es erstreckte sich über die gesamte Länge östlich von 10865.

10867 hatte ebenfalls einen kleinen Fleck im Schlepptau. Die Region 10866 zeigte sich in den SOHO-Bildern als Dreifachfleck, wobei im 8x50 nur zwei sichtbar waren. Die beiden kleineren Sonnenflecken waren als länglicher Begleiter zu sehen, vermute ich. Da reichte das Auflösungsvermögen des Suchers nicht aus.

Wie am Tag zuvor, konnte ich nun selbst im 9mm-Okular die kleine Gruppe 10868 nicht entdecken. 10869, der sich der Sonnenmitte näherte, war ebenfalls doppelt. Ein länglich erscheinender Fleck wurde von einem dunklen Punkt verfolgt.

So zeigte sich mir die Freitagssonne.