Orion und der Skorpion

08. Januar 2008 - Dienstag

Bevor ich mich um 4:20 MEZ auf dem Weg zur Arbeit machte, wandte ich noch meinen Blick kurz Richtung Nordwesten. Während über mir das sternenübersäte Himmelszelt funkelte, soff jedoch das mittlerweile schwache Leuchten des Kometen 17P/Holmes in der horizontnahen Straßenbeleuchtung ordentlich ab. Auf meiner Fahrt begleitete mich Orion, der prächtige Himmelsjäger aus Böotien, der schon halb im Westen versunken war. Nur sein Gürtel und ein weiterer Stern, der nur Sirius sein konnte, standen noch knapp über dem Horizont und folgten mir durch die Nacht. Sie zogen über das schlafende Land und verschwanden zwischenzeitlich in der orangefarbenen Lichtglocke Rheinbachs.

1 ½ Stunden später, ich war nun in der entgegengesetzten Richtung unterwegs, nahm mit der Zeit sichtbar der Glanz des Morgensterns zu. Südlich der Venus fielen mir tief im Osten zwei - später drei - Sterne auf, die mich gleich an die Antares vorgelagerte Sternenkette im Skorpion erinnerte. Dicht über dem Horizont tauchte tief im Dunst verborgen ein kaum sichtbarer Stern auf. Er befand sich an der Stelle an die Antares gehörte, doch anhand der nahen Sterne hatte gerade mal eine Helligkeit von nur 3,0mag. Dagegen leuchtet er in den Sommernächten mit 0,9mag und funkelt in der Farbe des Mars.

Mit dieser morgendlichen Beobachtung aus dem Autofenster erinnerte ich mich wieder an die Geschichte von Orion und dem Skorpion. Als übereifriger Jäger mit seinen beiden Hunden wollte er jedes Tier töten. Gaia, die Göttin der Erde, sandte daraufhin einen Skorpion aus, gegen den Orion nichts ausrichten konnte und der ihn schließlichlich tötete. Es heißt, dass Asklepios versucht hat Orion zu heilen. Letztendlich wurden alle drei Figuren an den Nachthimmel versetzt. Der hochmütige Orion und der todbringende Skorpion wurden dabei an gegenüberliegenden Himmelsteilen ans Firmament gebannt. Wenn die Sterne des Skorpions im Osten aufgehen, gehen am Westhimmel die Gestirne des Orion gerade unter. Nördlich des Skorpions wurde mit dem großen aber unübersichtlichen Sternbild des Schlangenträgers auch der Gott der Heilung, Asklepios, an den Himmel versetzt.