Galileis Entdeckung des Neptun

Nachweislich war Galileo Galilei nicht der erste, der vor genau 400 Jahren ein Fernrohr auf den Mond richtete, anders als Thomas Harriot erkannte er jedoch mit seinem künstlerisch geschulten Blick eine raue Mondoberfläche, was wiederum der Jahrtausende alten aristotelischen Lehre widersprach. Nur wenige Wochen später entdeckte er vier Monde, die den Planeten Jupiter zu umkreisen schienen. Diese Beobachtung erschütterte das alte Weltbild noch mehr, betrachtete man doch die Erde als Punkt aller Anziehung, als Mittelpunkt, um den sich das ganze Universum bewegte. Doch an Entdeckung war das nur der Anfang: In den Jahren danach beobachtete er als erster die fleckige Gestalt der Sonne, die Phasen der Venus, sah die Dreigestaltigkeit des Saturn und war sogar kurz davor gleich einen neuen Planeten zu entdecken: Neptun.

Auf Dezember 1612 und Januar 1613 sind seine Neptunbeobachtung datiert. Zu dieser Zeit befand sich der Planet ganz in der Nähe des Jupiter, Anfang Januar 1613 fand sogar eine äußerst seltene gegenseitige Bedeckung beider Planeten statt, und Galilei war live dabei, auch wenn er den lichtschwachen Neptun neben dem hellen Jupiter nicht gesehen hat. Seine Notizen zeigen aber, dass er in dieser Zeit nicht nur die Stellung der Jupitermonde beobachtete, er notierte sogar die genaue Position eines schwachen Sterns in der Nähe, den er in seinen Aufzeichnungen als "fixa" (also fix) bezeichnet. Von noch größerer Bedeutung sind seine Ende Januar 1613 durchgeführten Beobachtungen. Dabei verzeichnete er nicht nur die Stellung dieses fixen Lichtpunktes, sein Auge erkannte sogar eine relative Positionsänderung, wie er in seine Notizen niederschrieb. Galileo Galilei stand also kurz davor den achten Planeten unseres Sonnensystems zu entdecken, noch bevor an Uranus zu denken war.

Mit dieser faszinierenden Entdeckungsgeschichte im Winter 1612/1613 beschäftigt sich ausführlich der Aachener Sternfreund Jan Hattenbach in vier Teilen in seinem Kosmologs-Blog "Himmelslichter". Dabei befasst er sich mit Galileis ersten Beobachtungen des Neptun (Teil 1), der Entdeckung seiner Eigenbewegung (Teil 2), beschreibt zudem die außerordentliche Präzisionsarbeit (Teil 3) und schildert die Geschichte eines rätselhaften Tintenflecks (Teil 4). Der Leser erfährt, dass sogar eine schriftliche Notiz vorhanden ist, in der Galilei die Eigenbewegung des vermeintlichen Fixsterns beschreibt und es war sogar möglich, dass er diese Positionsänderung tatsächlich schon an zwei auffeinanderfolgenden Nächten erkannt haben könnte. Seltsamerweise verfolgte er diese Spur bereits in der Folgenacht nicht weiter. Warum? Dachte er vermutlich an einen Beobachtungsfehler oder schien ihm die Möglichkeit weiterer Planeten unmöglich? Oder war er sich der Bedeutung seiner Entdeckung völlig bewusst? Ein bislang unbekannter Wandelstern hätte noch mehr Aufsehen erregt, als es seine bisherigen Veröffentlichungen tun sollten. Diese Fragen können die behandelten Fakten nicht beantworten.

Außerdem berichtet Jan Hattenbach jüngst in "Galilei - Neptunentdecker oder nicht?" über eine erst diese Woche veröffentlichte neue Hypothese eines Professors der Universität Melbourne, die sich mit dem seltsamen Tintenklecks beschäftigt. Dazu soll die Analyse der Tinte Aufschluss darüber geben, ob Galilei seine Entdeckung eines neuen Planeten möglicherweise doch publiziert hat.

12. Juli 2009