Eine Ziege in der Morgendämmerung

20. September 2008 – Samstag

Während der neue Tag anbrach, war ich bereits unterwegs zurück nach Meckenheim. Ich nutzte den klaren Himmel für einen kurzen Zwischenstopp bei den Sternen. So gegen 6:40 MESZ hielt ich kurz am Straßenrand an, um einen Blick in Richtung Fuhrmann zu werfen, der in der Morgendämmerung allmählich verblasste. Das Schiebedach war offen und im Zenit funkelte Kapella. Im Sterndreieck der Ziege des Fuhrmanns wollte ich testen, ob und wie gut sich kleine Helligkeitsunterschiede zur Dämmerungszeit besser erfassen lassen. Ich wählte die Ziege, da sich im Sommer 2009 epsilon Aur wieder verfinstern wird. Das markante Sterndreieck bei Kapella besteht aus epsilon (3,0mag), eta (3,15mag) und zeta Aur (3,75mag). Als unerfahrener Veränderlicherbeobachter konnte ich nachts zwar – wenn auch gerade so – die unterschiedlichen Helligkeiten wahrnehmen, doch in der Dämmerung sollte es mir nun leichter fallen.

45 Minuten vor Sonnenaufgang war epsilon Aur als hellster der drei Sterne noch gut zu sehen war, während zeta Aur nur noch ein schwacher Lichtpunkt war, kaum mehr zu halten. Auch den geringen Helligkeitsabstand (von 0,15mag) von epsilon zu eta konnte ich erkennen. Mit dieser "Dämmerungsmethode" ließen sich die kleinen Helligkeitsdifferenzen wirklich gut beobachten. Gut geeignet dafür, wenn zwischen August und Dezember 2009 epsilon Aur langsam um 0,8mag schwächer wird. Nach 27 Jahren ereignet sich dann die erste Bedeckung dieses besonders außergewöhnlichen Algol-Veränderlichen. Was ihn so einzigartig macht, kann man in der Rubrik "Exotische Sterne" von interstellarum 61 nachlesen.