Mr. Spocks Zuhause, ein Double-Triple und Hickson 34
29. Dezember 2008 – Montag
Bereits im gestrigen Abendrot zeigte sich ein schönes Himmelsschauspiel: zum eher scheuen Merkur und dem Riesenplaneten Jupiter gesellte sich die dünne Mondsichel. Da ich mich seit den Feiertagen mit 'ner Erkältung rumschlage, kam diese Dachfenster-Konjunktion genau richtig; zwei Lichtpunkte in einem mit schönen Dämmerungsfarben gemalten Bild. Zuerst war ich noch mit dem Fernglas auf der Suche, doch ab 17:15 MEZ konnte ich Merkur zwischendurch schwach aufblitzen sehen. Fünf Minuten später war er dann eindeutig mit bloßem Auge sichtbar. Man konnte verfolgen, wie er durch die horizontnahe Suppe mal heller und mal schwächer wurde. Zum Glück hat Lambert die Konjunktion toll festgehalten.
Merkur, Jupiter und Mond, Lambert Spix
Kurz danach hab ich mich mit Frank verabredet. Erkältung hin oder her, nur für diesen einen Abend wollte ich mal wieder den Sternen nah sein, nur mal für drei Stunden durch den tiefen Raum surfen. Irgendwas Gutes wollte ich aus der Schönwetterperiode zwischen den Jahren doch noch mitnehmen. Ich entschied mich mal gegen die Ferngläser und wuchte den Dobson ins Auto. Zuvor hatte ich mir noch vier wechselwirkende Galaxien des Arp-Katalogs für die Deep-Sky-Jagd rausgesucht. Danach noch kurz den Magen mit leckerer Bohnensuppe vorgewärmt und los ging’s um 19:40 MEZ mit zwei Autos in Richtung Teufelsley. Bereits bei der Ankunft am Platz mussten wir feststellen, dass wir nicht allein sein würden. Ein Sternfreund aus Monheim bei Leverkusen hatte den Platz mit der Lichtverschmutzungskarte und Google Earth gefunden, und hatte sich mit einem 120/600-Refraktor samt Kamera aufgebaut.
Schon der erste Blick durch meinen 8-Zöller offenbarte ein schlechtes Seeing: vom Orion-Trapez waren nur drei Sterne sichtbar. Trotzdem schwenkte ich weiter zum Mehrfachstern sigma Ori. Schon im Übersichtsokular bei 34x waren drei Komponenten aufgelöst: neben der weißen Hauptkomponente leuchtete die E-Komponente in einem bläulichen und "D" in einem blaugrünen (türkisen) Farbton. Mit dem direkt benachbarten Dreifachstern STF 761 gibt sigma Ori ein sehenswertes Double-Triple ab; es muss ja nicht immer das Double-Double in der Leier sein. Danach ging's runter an den Fluss, zu dem Straußennest mit den Sternen Beid (arab. Eier) und Keid (arab. Eierschalen). Während Beid (omikron1 Eri) für mich einen nicht ganz einfachen Augenprüfer abgibt, wird Keid (omikron2 Eri) von einem Weißen Zwerg umkreist. Ich hatte ihn in der aktuellen interstellarum 61 als kleinstes Deep-Sky-Objekt für den Feldstecher vorgestellt – der bläuliche Lichtpunkt ist nicht viel größer als unsere Erde. Trotz vorhandener Öffnung hatte ich dennoch vergessen höher zu vergrößern, da sich dort auch noch ein kühler Roter Zwerg versteckt. Und darüber hinaus soll auch noch Mr. Spocks Heimatplanet Vulkan um den Hauptstern dieses Sternsystems kreisen. Von den üblichen Verdächtnigen haben wir noch den Eskimonebel, die Plejaden und natürlich den Orionnebel – Glanzstück jeder klaren Winternacht – mitgenommen.
Das größte Unterfangen des Abends war das Auffinden von NGC 1875, mit 13,7mag die hellste Galaxie im Grüppchen Hickson 34. Während ich sie in meinem 8-Zöller schon gefunden hatte, suchte Frank mit dem 14-Zöller immer noch nach der richtigen Position. Den besten Kontrast hatte ich im 15mm bei 80x: sehr schwach aber gut indirekt zu halten. Dann half ich Frank bei der Galaxienjagd. Schon in seinem Übersichtsokular konnte ich die schwache Galaxie als jetzt helleren Nebelfleck ausmachen: sie war fast mit direktem Sehen zu halten. Ich schubste den grauen Nebelball mehrmals mittig ins Bild, aber für Frank blieb er einfach unsichtbar, selbst mit höherer Vergrößerung und mehr Kontrast. Fazit: Frank spart jetzt auf noch mehr Öffnung. Bis zu dieser Aussage haben wir uns 30 oder eher 45 Minuten an dieser einen Hickson 34-Galaxie abgemüht.
Danach hab ich mich noch an zwei Arp-Galaxien von meiner Liste versucht: Arp 78 im Widder und Arp 113 in Andromeda. Leider blieben mir aber beide verborgen. Die Galaxien liegen zwar auch bei etwa 13,0mag, es wird aber an der geringeren Flächenhelligkeit (im Vergleich zu NGC 1875) gelegen haben. Am dunklen Himmel über der Teufelsley wird's weniger gelegen haben. Mit einem SQM-Wert von 21,2 (auf meiner persönlichen Kurve dürfte das 6,4mag entsprechen) zeigte sich der Platz wie gewohnt von seiner besten Seite. Gegen 23:15 MEZ war dann schon wieder alles vorbei und alles lag verstaut im Auto. Trotz Erkältung habe ich die frostige Nacht gut überstanden. Ich hatte mich extra dreilagig angezogen, doch von den drei Taschentücherpackungen brauchte ich keine einzige. Von der Kälte war jedenfalls noch nix zu spüren, und ich hätte gerne noch weitergemacht, aber nicht jeder hat zwischen den Jahren Urlaub. Auf alle Fälle hat die letzte Spechtelnacht 2008 – trotz einiger Minusgrade – richtig Spaß gemacht; drei Stunden können ja so schnell rumgehen.